Ab 2029 sind in Deutsch­land grund­sätz­lich alle Klär­an­la­gen­be­treiber zur Phos­phor­rück­ge­win­nung verpflichtet. Dafür müssen die Betreiber bereits jetzt die (tech­ni­schen) Weichen stellen. Das UBA (Umwelt­bun­desamt) hat deshalb jüngst noch­mals alle Phos­phor-Recy­cling­ver­fahren – auch das PYREG-Verfahren – hinsicht­lich ihres Schad­stoff-Gehalts prüfen lassen (UBA Texte 31/2019) und kam zu dem Ergebnis: Die Düngung mit Phos­phor-Rezy­klaten belastet im Vergleich zum Klär­schlamm die Böden deut­lich weniger, das UBA empfehle daher einen kompletten Ausstieg aus der boden­be­zo­genen Klär­schlamm­ver­wer­tung.

Speziell zur Klär­schlamm­kar­bo­ni­sie­rung im PYREG-Verfahren heißt es in der Studie: „In den Karbo­ni­saten des PYREG-Verfah­rens konnte zu keinem Zeit­punkt eine Konzen­tra­tion mit Arznei­mit­tel­rück­ständen und Hormonen ober­halb der Bestim­mungs­grenze bestimmt werden. Die Prozess­tem­pe­ra­turen von ca. 650°C wirken sich demnach deut­lich auf die Reduk­tion bzw. Entfer­nung von orga­ni­schen Verbin­dungen aus (…)“ (UBA 31/2019, S. 65).

Das Fraun­hofer-Institut für Umwelt-, Sicher­heits-, und Ener­gie­technik UMSICHT hatte für die Studie im Auftrag des UBA geprüft, ob Phos­phor-Rück­ge­win­nung den Eintrag von Arznei­mit­teln in Böden senken kann. Hierfür wurden verschie­dene Phos­phor-Rück­ge­win­nungs­ver­fahren aus prak­ti­scher Anwen­dung und Pilot­ver­fahren, die Phos­phor entweder aus Klär­schlamm, Schlamm­wasser oder aus der Asche der verbrannten Klär­schlämme zurück­ge­winnen, betrachtet und deren Phos­phor-Rezy­klate sowie die Schlämme unter­sucht.

Von der geringen Schad­stoff­be­las­tung abge­sehen, hat die Phos­phor-Rück­ge­win­nung in dezen­tralen Karbo­ni­sie­rungs-Anlagen weitere Vorteile:

  • Bei der Karbo­ni­sie­rung wird der enthal­tene Phos­phor so scho­nend recy­celt, dass dieser weiter in pflan­zen­ver­füg­barer Form vorliegt. Wird Klär­schlamm hingegen verbrannt (bei rund 1000 °C), muss der Phos­phor über Säure-Laugungs­ver­fahren aus der Asche zurück­zu­ge­wonnen werden. Dabei entstehen zusätz­liche Abfälle, die – ökolo­gisch nach­teilig – geson­dert entsorgt werden müssen.
  • Viele Phos­phor-Recy­cling-Verfahren & Anlagen sind nur ab einer gewissen Größe wirt­schaft­lich zu betreiben. Bei wenigen, zentralen Anlage ergeben sich insbe­son­dere für den länd­li­chen Raum weite Trans­port­wege für den Klär­schlamm mit den entspre­chenden ökolo­gi­schen Folge­pro­blemen und Zusatz­kosten.
  • Anders als bei der Verbren­nung, bei der der enthal­tene Kohlen­stoff voll­ständig in CO2 umge­wan­delt und in die Atmo­sphäre entlassen wird, wird bei der Karbo­ni­sie­rung ein großer Anteil des enthal­tenen Kohlen­stoffs stabil im Karbo­nisat gespei­chert. Es entsteht damit eine Kohlen­stoff­senke.
  • Phos­phor-Karbo­ni­sate der Klär­an­lage Linz-Unkel sind seit 2018 als verkehrs­fä­higes Dünge­mittel EU-weit zuge­lassen.

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